Zum Thema Lautsprecher selbstbau gehört auch das Messen und Berechnen.
Im ersten Teil habe ich mal die Berechnungen einer Lautsprecherweiche vorgestellt und darauf hingewiesen, was bei der Zusammenstellung einer Kombination wichtig ist. Hier nochmals zur Erinnerung eine Wiederholung:
Wichtig ist, dass die Lautsprecher linear arbeiten, was aus den Messprotokollen und Frequenzgangaufzeichnungen hervor geht. Und dabei soll der lineare Bereich möglichst 1 Oktave weiter reichen als die Weiche die Bereiche beschneidet. Ich erinnere an den Mitteltöner, der laut Weiche bis 5kHz betrieben werden soll und der bis 10kHz linear ist.
Weiter habe ich bei Dreiwegboxen eine Weichensteilheit von 12dB/Oktave angestrebt, weil mit den einfachen 6dB-Weichen die Überlappungen zu breit werden. Andererseits ist bekannt, dass steilere Weichen zu deutlichen Klangfehlern führen.
Und noch etwas ist bei der Weiche zu beachten: Bei einer 12dB-Weiche wird z.B. der Bassbereich des Mitteltöners mit einer Spule bedämpft, wenn diese parallel zum Lautsprecher liegt, wie in unserem Beispiel gezeigt. Man könnte die Weiche auch in der anderen Reihenfolge bauen und den Mitteltöner mit dem Hochton-Kondensator abschliessen.
Das Problem ist, dass das separate Mitteltongehäuse die Eigenschaften des Mitteltöners beeinflusst und daher die Bassbedämpfung durch die Spule den Gehäuseeinfluss etwas dämpft.
Und es gibt noch eine Überlegung: Würde man eine 18dB-Weiche bauen, so wäre am Tieftöner kein Abschluss mit einem Kondensator, sondern es wäre nochmals eine Spule danach, sodass der Kondensator das hohe Ausschwingen des Lautsprechers nicht bedämpfen kann. Wenn wir den Frequenzgang des Tieftöners betrachten, so gibt es ja im höheren Bereich Resonanzen, die elektrisch durch den Kondensator bedämpft werden. Diese Bedämpfung ginge bei einer 18dB-Weiche verloren.
Hier mal eines der vielen Lautsprecherprogramme:
![[Bild: 6mcranbu.gif]](http://s4b.directupload.net/images/090428/temp/6mcranbu.gif)
Mit diesem Programm kann man die Weichen mit unterschiedlicher Steilheit (6dB = 1.Ordnung, 12dB = 2. Ordnung, 18dB = 3. Ordnung, 24dB = 4. Ordnung) berechnen und ausserdem verschiedene Güten annehmen. Am verbreitetsten ist die Güte von rund 0,7
Mit dem Tiepass (Tieftonlautsprecher), dem Bandpass (Mittelton) und Hochpass (Hochtöner) kann man die Berechnungen durchführen lassen und mit der Pegelreduzierung einen zu lauten Mittel- oder Hochtöner auf den gemeinsamen Kennschalldruck anpassen.
Es ist auch eine Impedanzkorrektur möglich. Solche Weichenprogramme gibt es noch viele und alle basieren auf den selben Grundlagen. Wenn man also bei der Impedanzangabe die tatsächliche Impedanz angibt und nicht nur mit 4 oder 8 Ohm operiert, kommt man dem gewünschten Übergangsverhalten sehr nahe.
Zusätzlich kann man auch die verschiedenen Boxentypen berechnen, doch davon später.
Damit wäre mal die Weichenberechnung erledigt.
Jetzt gibt es eine erste Massung, die beim Selbstbau unumgänglich ist: Die Impedanzmessung.
![[Bild: dzmc4e8k.gif]](http://s1b.directupload.net/images/090428/temp/dzmc4e8k.gif)
Dazu wird zuerst die Generatorspannung ohne Lautsprecher gemessen. Als Generator und Messgerät lässt sich die Soundkarte des PC verwenden. Wichtig ist, dass am Generatorausgang ein definierter Widerstand in Serie liegt.
Jetzt wird statt des Lautsprechers ein Widerstand von 10 Ohm eingesetzt und die Spannung gemessen. Somit bildet sich ein Spannungsteiler aus 1k und 10 Ohm. Dies bildet mal die Grundlage. Wenn wir jetzt den ins Gehäuse eingebauten Lautsprecher anschliessen und die Frequenz variieren, ergibt sich eine Kurve mit einer Eigenresonanz. Einmal können wir diese Eigenresonanz bestimmen (Maximalpegel beim Frequenz verstellen) und zweitens können wir die Impedanzen bei den angestrebten Trennfrequenzen ermitteln. Diese setzen wir dann in der Weichenberechnung ein.
Wer sich diese Messung nicht zutraut, muss die Impedanz halt aus den Herstellerkurven ermitteln.
Wir haben jetzt die Trennfrequenzen in unsere Weichenberechnung eingegeben. Im vorliegenden Fall sind dies 500Hz und 5kHz. Jetzt könnten wir berechnen, wie viele Watt unsere Kombination verträgt. Das haben wir im Prinzip am Ende des Weichen-Beitrags mal dargestellt. Und dazu gab es dieses Diagramm:
![[Bild: odgrn987.jpg]](http://s4b.directupload.net/images/090428/temp/odgrn987.jpg)
Im Bereich 80Hz bis 5kHz ist die Leistung in jedem Häuschen gleich gross, unter und über diesen Grenzen ändert sich der Leistungsanteil.
Ich habe dazu mal eine Excel-Liste erarbeitet, welche die Leistungsverteilung berechnen würde. Das Problem ist, dass ich hier keine solche Tabelle mit allen Formeln einstellen kann, sondern nur eine Rechenhilfe in Form eines Bildes.
![[Bild: 4n2j7mel.gif]](http://s1b.directupload.net/images/090428/temp/4n2j7mel.gif)
Links die Tabelle mit den jeweiligen Prozentsätzen, rechts das Selbe, wobei ich die Grenzfrequenz der Lautsprecher (ungefähr) eingesetzt habe. Alles was gelb ist, wird vom jeweiligen Lautsprecher nicht übertragen. Und zählt man die einzelnen Sätze zusammen, ergibt sich ein Faktor, der angibt (grün markiert), wie viel der Lautsprecher vom gesammten zu übertragen hat. Nehmen wir nun mal für den Hochtöner eine Nennbelastbarkeit von 25W an (für diesen sind die Angaben in den Prospekten nicht verbindlich!) und er hat einen Leistungsanteil von rund 14%, so beträgt die Gesamtleistung rund 176W. Der Mitteltöner hat einen Gesammtleistungsanteil von gut 37% zu übernehmen und der Tieftöner einen solchen von rund 49%, so wäre bei einer Nennbelastbarkeit von 80W beim Mitteltöner (es sind ja 2 Chassis!) seine Nennbelastbarkeit in der Kombi (80 : 0,3738) etwa 214W, jene des Tieftöners bei einer Nennbelastbarkeit von 120 rund 248W. Das bedeutet, dass die Kombination nicht höher als 176W belastet werden sollte. Und man kann daraus auch ablesen, dass die Nennbelastbarkeit einer Kombination sinkt, wenn man einem Chassis (dem Hochtöner in einer Zweiwegbox) einen breiteren Bereich zumutet.
Jetzt kommt die Gehäuseberechnung an die Reihe. Da gibt es aber noch einige Punkte, die man bei Gehäusen beachten muss:
Wir haben am Anfang mal die Problematik der Raumakustik angesprochen und dass es da zu Reflexionen kommt. Man kann sich mal folgendes vorstellen: Wir haben einen Raum, in dem wir sitzen und in dem ein Lautsprecher steht (mit zweien wird es einfach nur noch komplizierter, daher für den Anfangnur ein solches Möbel). Dieser Lautsprecher sendet seine Schallwellen aus, die irgendwo reflektiert werden und an unser Ohr dringt der Direktschall und auch der Reflexionsschall. Jetzt kann es passieren, dass die längere Strecke der Reflexion gerade um eine halbe Wellenlänge des Schalls länger ist als der direkte Schall. Und wir nehmen mal an, dass bei dem Ton, den wir hören wollen, Direktschall und Reflexion gleich laut sind. Durch den längeren Weg trifft nun der Schall um eine halbe Wellenlänge verspätet ein und immer dann, wenn direkt ein + kommt, ist die Reflexion erst beim – angelangt. Und wenn + und – gleich gross sind, ist das Resultat 0. Also wir hören nichts.
Gemeinerweise ist das aber nicht nur beim Raum so, sondern auch beim Gehäuse und den Lautsprechern untereinander.
Nehmen wir einfach mal eine Lautsprecherbox. Die sieht so aus:
![[Bild: vziuteag.gif]](http://s11.directupload.net/images/090428/temp/vziuteag.gif)
Das ist ein normaler, viereckiger Kasten und da stehen sogar die Seitenwände noch etwas vor, damit man einen Bespannrahmen für den Stoff einsetzen kann.
Ich habe da mal die Abstände zu diesem Rahmen eingezeichnet. Es ist jetzt nicht entscheidend, ob der Rahmen vorsteht oder nicht. Jede Gehäusekante ergibt eine Reflexion, also nicht nur die seitlichen, sondern auch oben und unten. Und diese Kanten wirken, wie wenn an dieser Stelle auch Lautsprecher wären, die aber um die Distanz verspätet erklingen. Das ergibt wieder wie bei den Raumreflexionen Betonungen und Auslöschungen, je nach Schallwellenlänge und Distanz.
Jetzt gibt es drei Möglichkeiten:
a) man macht die Schallwand so breit, dass die Reflexionen erst so spät eintreffen, dass sie für uns nicht mehr so störend sind.
b) wenn die Schallwand nicht so gross werden darf, belegt man sie mit etwa 10mm Schaumstoff, welcher den seitlich abgestrahlten Schall schluckt und nicht mehr bis zur Kante lässt. Oder man macht
c) an die Lautsprecher „Trichter“, welche den Schall leiten und so von den zusätzlich gerundeten Kanten fernhalten.
Es spielt also schon mal eine Rolle, wie man die Schallwand gestaltet. Und wenn man den Frequenzgang des Lautsprechers misst, so kann man mit diesen „Feinarbeiten“ schon einiges verbessern oder verschlimmern.
Aber es gibt noch ein Problemchen: Der Entstehungsort des Schalls ist die Schwingspule. Wenn man nun wie in der Mitte alle Lautsprecher mit ihrem Montagerand auf eine Schallwand baut, so sind die Schallentstehungszentren nicht übereinander und damit ergeben sich bei den Übergängen Phasenfehler, die zu Unregelmässigkeiten im Schalldruck führen. Besser ist es, die Lautsprecher so anzuordnen, dass die Entstehungszentren, also die Schwingspulen senkrecht übereinander stehen.
Jetzt mal zu den Frequenzgangmessungen. Dazu ist ein Messmikrofon nötig, das diesen Namen verdient. Nur wenn man einen Messschrieb hat kann man einigermassen sicher sein, dass es auch etwas taugt. Irgend ein Wald- und Wiesenmikro reicht bei weitem nicht aus. Und es braucht einen entsprechenden Vorverstärker, denn das, was üblicherweise in den Soundkarten drin ist, reicht für eine Referenzmessung nicht aus.
Prinzipiell kann man den Frequenzgang mit gleitendem, gewobbeltem Sinus messen (da braucht es ausser einem Softwaregenerator, der eine Wobbelung im Terzband anbietet nichts), oder man verwendet rosa Rauschen plus einen Messverstärker mit Terzbandbreite oder rosa Rauschen in Terzbandbreite und einen Breitband-Messverstärker oder letztlich eine richtige Messsoftware.
Mit der Messsoftware kann der Frequenzgang aus einem einzelnen Klick (mehrere Messungen nacheinander) ermittelt werden. Ebenso wird das Ausschwingverhalten daraus berechnet. Der Vorteil ist, dass zur Messung ein Zeitfenster verwendet wird, sodass Raumeinflüsse meist genügend ausgeblendet werden können. Und auch Störgeräusche werden dadurch weitgehend unterdrückt, allein schon durch die wiederholte Messung.
Bei den althergebrachten Methoden sind Raumeinflüsse nicht wirklich zu vermeiden, ebenso Störgeräusche.
Auf dieses Thema müsste man in der Messtechnik näher eingehen. Es ist aber Tatsache, dass die Soft- und Hardware nicht zum Nulltarif zu haben ist und sich daher der Aufwand nur lohnt, wenn man die Lautsprecherbauerei wirklich im grösseren Stil betreiben möchte.
Was jetzt noch bleibt ist die Gehäuseberechnung. Dazu nochmals das Berechnungsprogramm BassCad, stellvertretend für alle anderen.
Das Wichtigste ist, die Lautsprecherdaten aufzunehmen. Und es ist wichtig zu wissen, dass der kritische Bereich im Bass vorhanden ist, im Mittelton und Hochton ist ein Gehäuse zweitrangig oder unnötig.
Ein Lautsprechergehäuse soll in erster Linie den akustischen Kurzschluss verhindern, dass also nicht ein Druckausgleich hinten zu vorne um den Lautsprecher herum entsteht.
Hierzu erstmal Angaben: In den alten Radiozeiten waren die Lautsprecher ins Radiogehäuse so eingebaut, dass dieser Ausgleich möglich war. Und die Lautsprecher waren bewusst auf diese Betriebsart ausgelegt. Dann, wenn der Lautsprecher seinen Schall gezielt in den Raum abstrahlen kann, wird durch die entstehende Abstrahldämpfung der Lautsprecher „gebremst“, andererseits aber wird Schall nutzbar abgestrahlt. Im Bassbereich kommt es bei einer Schallwand zu einem Druckausgleich, sodass die Bedämpfung abnimmt und der Lautsprecher ungebremst arbeiten kann. Dafür wird kaum Nutzschall abgegeben.
Wenn man heute eine Konstruktion baut, welche mit alten Radiolautsprechern arbeitet (Saba Greencone), so ist die offene Schallwand meist die beste Lösung, weil sie am ehesten den früheren Betriebsbedingungen entsprichtund somit auf die Grundkonstruktion des Lautsprechers Rücksicht nimmt.
Bei den Schallwänden liesse sich berechnen, bei welcher Frequenz der Druckausgleich entsteht und ab welcher Frequenz die Abstrahlung funktioniert.
Anfang der 60er kamen die ersten unendlichen Schallwände auf, also Gehäuse die rundum geschlossen waren und dadurch kein Ausgleich zwischen vorne und hinten entstand. Daher die Bezeichnung unendliche Schallwand. Dies ist heute noch eine der Haupt-Bauformen.
Etwa gleichzeitig wurden die Bassreflexboxen populär, bei welchen durch eine Öffnung der rückwärtige Schall des Lautsprecherchassis genutzt wurde. Durch entsprechende Dimensionierung wurde die Luft an dieser Austrittsstelle so beeinflusst, dass sie eine umgekehrte Phase erhielt und somit gleich auf die Raumluft wirkte wie die Membran-Vorderseite.
Neben der Variante mit der Bassreflex-Öffnung kamen auch Konstruktionen mit Passivmembran auf. Hier wurde die Phasendrehung durch die Masse der Passivmembran erreicht.
Teilweise vergleichbar waren die Transmission Line-Gehäuse. Auch hier eine Öffnung, aber die Phasendrehung wurde durch die Rohrlänge und die Schalllaufzeit erreicht. Der Nachteil dieser Konstruktion ist die grosse Rohrlänge und die Welligkeit des Frequenzgangs im Bass.
Und eigentlich die älteste Form war der Trichter. Zu Beginn wurden Kopfhörer-Systeme mit einem Trichter versehen und so diese kleinen Dinger an die Umgebungsluft angepasst. Das Ziel war erreicht, wenn mehrere Personen ohne Kopfhörer ein akustisches Ereignis mitverfolgen konnten. Tonqualität bedeutete: Man versteht was gesagt wird und es ist laut genug. Alles andere war ausser der Gedanken-Reichweite.
Die ersten grossen Trichter wurden hauptsächlich in Kinos aufgbaut, weil man einmal eine bessere Basswiedergabe wollte und andererseits die Lautstärke gesteigert werden musste. Und da Verstärkerleistung noch extrem aufwändig und teuer war, musste der Lautstärkegewinn halt über die Lautsprecherkonstruktion herein geholt werden.
Bekannt wurden auch die Beschallungslautsprecher, welche mit ihren Blechtrichtern auf Bahnhöfen und Sportveranstaltungen eingesetzt wurden. Es ging in erster Linie um Sprache.
Erst zu Beginn des Hifi kamen auch im Heim gelegentlich Trichter oder Hörner, wie sie jetzt genannt wurden, zum Einsatz.
Das Problem dieser Konstruktionen ist, dass der Lautstärkegewinn mit der besseren Anpassung des Lautsprechers an die Umgebungsluft funktioniert. Und dazu muss der Luftdruck erhöht, die bewegte Luftmenge aber (direkt am Lautsprecher) reduziert werden. Um dies zu erreichen, müssen bestimmte Voraussetzungen eingehalten werden. So gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Horn-Umfang (oder Durchmesser) und der tiefsten Frequenz, bei welcher diese Drucktransformation noch funktioniert. Und richtigerweise wird ein Horn, das Bass bringt, sehr gross.
Natürlich kann man auch mit einem weit kleineren Horn Bass wiedergeben. Nur funktioniert dann die Drucktransformation nicht mehr. Und da durch diese Transformation andere Anforderungen an den Lautsprecher gestellt werden, ist es fraglich, ob man die gewünschten Resultate erreicht. Ist nämlich der Lautsprecher optimal angepasst, so ist ein enormer Luftdruck bei minimaler Luftmenge optimal. Man kann also mit einer relativ kleinen Membran auch tiefe Töne wiedergeben. Und die Eigenresonanz des Lautsprechers spielt nahezu keine Rolle mehr. Dies alles steht in krassem Gegensatz zum normalen Lautsprecher, wie wir ihn kennen. Wenn wir also ein Druckkammersystem mit grossem Horn bauen, so arbeitet dieses bis an die berechnete Grenze optimal. Unterhalb dieser Grenze läuft dann der Lautsprecher nicht mehr als Druckkammerhorn, sondern als normaler Lautsprecher. Und das kann er nicht, womit er diese Frequenzen nicht wiedergeben kann. Verwendet man aber einen normalen Lautsprecher, so läuft dieser in den höheren Lagen eigentlich nur suboptimal, weil er nicht unbedingt auf hohen Luftdruck gezüchtet ist, sondern auf grosse Luftmenge. Unterhalb der berechneten Frequenz aber läuft das Ding als normaler Lautsprecher wie in einer Schallwand.
Ein bekannter Kompromiss sind die Eckhörner. Da wird das Horn hinter dem Lautsprecher aufgebaut und um die Gehäusetiefe in den Griff zu bekommen, wird das Horn mehrfach gefaltet. Letztlich entsteht ein Gehäuse, das seine Fortsetzung in der Raumecke erfährt. So sind wesentlich grössere Dimensionen möglich, als es das Gehäuse selbst erlauben würde und es ist auch eine Basswiedergabe bis in wirklich tiefe Lagen möglich.
Was heute oft an Hörnern angeboten wird, hat mit den ursprünglichen Konstruktionen wenig zu tun. Jedenfalls ist eine Eigenkonstruktion eine etwas unsichere Sache. Wenn Horn, so würde ich auf Bauvorschläge zurückgreifen und nicht auf gut Glück selber entwickeln.
Jetzt aber mal zurück zum Berechnungsprogramm:
Wie erwähnt ist der erste Schritt die Eingabe der Chassisdaten. Diese sind in den Datenblättern zu finden. Sind sie nicht vorhanden, sollte von diesem Chassis abgesehen werden, denn wenn der Hersteller die Daten nicht veröffentlicht, hat er irgend etwas zu verbergen, und sei es nur der Hinweis, dass mit diesem Chassis kein geglücktes Endprodukt entstehen wird.
Also, die Daten eingeben und als neue Daten quitieren (vorher unter Angabe des Typs die Daten speichern!)
Jetzt kann man auswählen, was man für ein Gehäuse möchte. Nehmen wir unseren Tieftöner und wählen geschlossene Box.
![[Bild: ssmrk3d6.gif]](http://s1b.directupload.net/images/090428/temp/ssmrk3d6.gif)
Oben links ist das Häkchen für Einbaugüte gesetzt. Jetzt rechnet das Programm das Volumen aus, das eine Güte von 0,7 ergibt. Mit diesem Volumen ergibt sich keine Überhöhung im Bass wie etwa mit einem kleineren Volumen, andererseits ist es auch die spätestmögliche Grenzfrequenz mit höchstmöglicher Steilheit.
Nehmen wir das Häkchen raus, können wir das Volumen (hier netto 71,4 L) verändern.
Bei kleinem Volumen bekommen wir die Überhöhung und eine Güte von deutlich über 1, was einen unsauberen schwammigen Bass ergibt
![[Bild: 5stkj7xf.gif]](http://s11b.directupload.net/images/090428/temp/5stkj7xf.gif)
Bei einem grossen Volumen setzt der Abfall schon früh ein, ergibt aber einen schwächeren, dafür präziseren Bass mit einer Güte von gut 0,5.
![[Bild: bvgvvlu4.gif]](http://s1b.directupload.net/images/090428/temp/bvgvvlu4.gif)
Wenn wir also diese drei Bilder vergleichen, so ist die Grenzfrequenz bei den 71 L Volumen am tiefsten.
Was wir hier noch beachten müssen, dass wir wie in der Skizze gezeigt noch zwei Mitteltöner haben, welche wir in ein gesondertes Gehäuse einbauen müssen. Wir werden also auf der Schallwand am besten um Mittel- und Hochtöner ein geschlossenes Gehäuse von etwa 5l Volumen bauen. Dieses wird die Innenmasse von etwa 32cm x 12cm x 13cm Tiefe haben. Bei 16mm Novopan ergibt dies ein Bruttovolumen von rund 8,7 Liter. Also müssen wir das Netto-Gehäusevolumen einmal um das Volumen vergrössern, welches der Tieftöner benötigt (ca. 8L) und um das Volumen des MH-Gehäuses (8,7L). Jetzt haben wir eigenlich schon alles festgelegt. Die 71 + 8 + 8.7 ergeben also das Innenvolumen des eigentlichen Lautsprechergehäuses. Je nach Wandstärke wird das Gehäuse aussen grösser oder kleiner. Und jetzt müssen wir natürlich noch die Schallwand berechnen, weil wir ja die Lautsprecher in einer Linie übereinander anordnen möchten. Man kann natürlich wie früher üblich die Lautsprecher auch wild hinstreuen. Nur wandert dann das Schallzentrum mit der Frequenz auf der Schallwand umher. Da das Richtungshören in der Vertikalen schlecht ist, in der Horizontalen aber gut, macht es Sinn die Lautsprecher entsprechend anzuordnen.
Wäre man nun gezwungen, die Box quer aufzustellen, müsste man zumindest Mittel- und Hochtöner übereinander anordnen.
Jetzt betrachten wir die andere Variante, nämlich die Bassreflexbox.
Da bleibt sich zunächst alles gleich, also Basslautsprecher eingeben, neue Werte anklicken und dann auf Bassreflex klicken. (Falls es nicht gleich reagiert, auf TIP klicken!)
Dann sehen wir folgendes Bild:
![[Bild: qidnguz4.gif]](http://s1b.directupload.net/images/090428/temp/qidnguz4.gif)
Hier ist der Bassbereich wesentlich erweitert, fällt aber auch steiler ab. Und das Gehäuse ist deutlich grösser. Auch hier werden wir an der Schallwand das kleine Gehäuse für Mittel- und Hochton montieren. Und auch hier müssen wir dieses Gehäuse und das Volumen des Tieftöners berücksichtigen.
Durch das grössere Gehäuse haben wir natürlich mehr Platz, die Lautsprecher nicht so dicht gepackt zu platzieren.
Zu erwähnen ist noch, dass dieses Gehäuse bei kleinerem oder grösserem Volumen ähnlich reagiert wie das geschlossene. Aber wir haben noch eine andere Möglichkeit:
![[Bild: vtso5hnw.gif]](http://s10.directupload.net/images/090428/temp/vtso5hnw.gif)
Hier haben wir das Gehäusevolumen verkleinert, dafür das Bassreflexrohr verlängert. Damit bekommen wir eine fast gleiche Reflexabstimmung und nur eine geringfügige Erhöhung der Grenzfrequenz.
Mit diesem Gehäuseprinzip kann man also wesentlich besser spielen als mit der geschlossenen Box. Nun heisst es immer, der Bass der Bassreflexbor sei weniger präzise. Dies stimmt im Prinzip. Nur spielt dies wirklich nur im Bereich der Grenzfrequenz eine Rolle, oberhalb der doppelten Grenzfrequenz ist kein Unterschied auszumachen. Hätten wir es mit kleinen Konstruktionen zu tun, wo der Bass nur bis etwa 70Hz geht, wären die Unterschiede deutlich hörbar. Bei so tiefem Bass, wie wir es hier haben, ist das Einschwingen der Instrumente (Pfeifenorgel) extrem langsam und die Box alleweil schneller. Da werden Unterschiede nicht auffallen. Andererseits entstehen in der Box zwangsläufig Resonanzen im mittleren Frequenzbereich. Diese Resonanzen wirken sich bei einer geschlossenen Box aber deutlich stärker aus als bei einer Bassreflexbox. Boxen dieser Grösse sind daher in Bassreflex durchaus im Vorteil und nicht von ungefähr sind die Mehrzahl der Studio-Monitorboxen als Bassreflex gebaut.
Jetzt noch ein Wort zum Reflexrohr: Im Simu-Programm kann man mit dem Durchmesser spielen und erfährt die ideale Länge. Reduziert man den Durchmesser, so klingt die Box plötzlich „asthmatisch“. Man hört sie atmen. Dies, weil in dem kleinen Rohr Turbulenzen entstehen. Wenn man nun ein Rohr mit grösserem Durchmesser wählt, benötigen wir auch eine grössere Länge. Und wenn das platzmässig schwierig wird, muss man halt ein abgewinkeltes Ding einsetzen. Nun darf natürlich so ein Rohr von z.B. 10cm Innendurchmesser nicht bis auf wenige cm an die Rückwand reichen. Es sollte mindestens der Rohrdurchmesser Platz bis zur Rückwand sein. Wenn man nun kein Rohr mit 10cm Durchmesser findet, das in einem 13cm tiefen Gehäuse Platz findet (könnte ja sein, dass wir so eine Box möchten), so kann man im Sanitärhandel ein Toiletten-Ablaufrohr mit dazu passendem Winkelstück erstehen und dieses einbauen. Und bei Bedarf kann man so ein Rohr auch an der Rückseite anbringen, wenn es auf der Schallwand keinen Platz findet. Voraussetzung ist natürlich, dass die Box nicht dicht an der Wand steht...
Und noch ein Letztes: Ein leeres Gehäuse birgt die Gefahr, Resonanzen zu zeigen. Es mach daher Sinn, es leicht und locker mit Nylonwatte zu füllen. Bei Gehäusen über etwa 60 Liter würde ich nicht die Box füllen, sondern die Watte locker an die Wände tackern. Kleinere Gehäuse zeigen höhere und ausgeprägtere Resonanzen. Da ist es empfehlenswert, die Box ganz zu füllen, ohne sie zu stopfen. Abgesehen davon kann man da selbst Versuche anstellen und ausprobieren. Und es braucht keine teure Spezialwatte. Ich habe mir mal bei einem Schlafsack-Hersteller Watteabschnitte geholt. Die hätte er kostenpflichtig entsorgen müssen, so ist er sie gratis losgeworden.